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Der hoffnungslose Optimist

Wenn Verzweiflung nicht laut wird, sondern leise, ersetzt Verstehen das Handeln. So entsteht Sinn, ohne dass die Welt sich darum bemüht.

Wenn Hoffnung kein Versprechen ist, sondern eine Weigerung

Es gibt Menschen, die nicht mit der Überzeugung hoffen, dass alles gut wird, sondern mit der Weigerung, dass alles bedeutungslos bleibt. Ihre Hoffnung ist nicht laut, sondern diskret. Man könnte sagen: Sie stirbt nicht, sie versteckt sich.

Diese Menschen haben ein eigenartiges Verhältnis zur Verzweiflung. Sie trifft sie nicht als Tragödie, sondern als Müdigkeit. Nicht als Niederlage, sondern als Funktionsstörung zwischen Absicht und Handlung. Sie setzen keine Zeichen, sie entladen sich nicht, sie führen keine Kämpfe nach außen. Ihre Konflikte bleiben im Inneren und sind deshalb unsichtbar.

In solchen Menschen entsteht ein merkwürdiger Ersatz für Handlung: Verstehen. Wenn Tun unmöglich wird, beginnt das Denken seine eigene Arbeit. Nicht um Lösungen zu finden, sondern um zu kartografieren, was geschieht. Das Verstehen wird zur Art und Weise, mit der die Welt in Kontur gehalten wird, wenn man nicht mehr eingreifen kann.

Diese Form von Hoffnung braucht kein Versprechen. Sie verlangt nur, dass nichts unbenannt bleibt. Denn was benannt wurde, ist nicht verloren. Das genügt. Hoffnung ist dann kein Lichtstrahl, sondern eine Art Restwärme. Sie fördert keine Zukunft, sie verhindert nur Sinnlosigkeit.

Menschen dieses Typs schreiben mit einer Genauigkeit, die nicht auf Effekt zielt. Nicht um eine Leserschaft zu gewinnen, sondern um der eigenen Existenz nicht beim Verdampfen zuzusehen. Schreiben wird zu einer Bestandsaufnahme: ein Inventar der Gedanken, Gefühle, Zweifel und Erkenntnisse, bevor sie verfliegen. Es ist ein Widerstand ohne Zeugen.

Vielleicht sind das hoffnungslose Optimisten. Nicht, weil sie überzeugt sind, dass alles gut ausgeht, sondern weil sie sich weigern, das Unausweichliche bedeutungslos zu machen. Ihre Hoffnung ist nicht triumphal, sondern stoisch. Sie stirbt nicht. Sie zieht sich nur zurück – und wartet auf einen Augenblick, in dem sie wieder gebraucht wird.

Und vielleicht ist das schon genug.