Keine Worte für Applaus
Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt schreibe. Jedenfalls nicht für Algorithmen oder Applaus. Ich suche nach Ehrlichkeit und hasse Kompromisse. Wenn ich schreibe, bin ich wahrhaftig. Doch wenn ich spreche, rede ich in Kompromissen. Ich rede mit jemandem – vielleicht hört er zu, vielleicht versteht er mich, vielleicht auch nicht. Also setze ich meine Maske auf und verstecke meine Zweifel dahinter. Keine Lügen, aber auch nicht die volle Wahrheit. Man will gefallen, und die Worte verschwimmen zu jenem verhassten Kompromiss.
Vermutlich schreibe ich genau deshalb. Für mich – aber nicht nur. Ich schreibe für die, die wie ich fühlen. Für die, die tief denken und durch Fassaden hindurchblicken. Für die, die wissen, dass Worte mehr sein können als Dekoration. Worte sind stark, wenn sie ehrlich sind. Aber Ehrlichkeit ist keine Strategie, sie ist ein Risiko. Doch gerade darin liegt ihre Kraft. Geschönte Wahrheiten helfen niemandem.
Dieser Blog ist kein Schaufenster. Er ist ein Spiegel. Nicht glatt, nicht makellos, sondern voller Risse. Und in diesen Rissen liegt das Licht. Jede Zeile ist ein Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Es geht mir nicht darum, schön zu klingen. Auch nicht darum, jemanden zu überzeugen. Was bleibt, wenn man alles Überflüssige weglässt, ist die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit. Ich könnte Geschichten erfinden, Bilder schmücken, aber am Ende wäre es nicht echt. Und was nicht echt ist, trägt nicht.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund. Nicht, um perfekt zu sein, sondern um unperfekt sichtbar zu werden. Um einen Raum zu öffnen, in dem auch andere sich wiederfinden können. Ein Echo, das nicht laut sein muss, um zu wirken. Und wenn dieses Echo nur bei wenigen ankommt, reicht mir das.
Denn was wahr ist, braucht keine Menge. Es braucht nur ein Herz, das bereit ist, es zu fühlen.
Ich verspreche keine Antworten. Aber wenn du liest, dann lies nicht nur – fühle. Wenn du zweifelst, dann zweifle nicht an dir. Und wenn du stolperst, dann sieh: Auch im Fallen liegt Richtung.