Nur ein Moment
Es war keine große Begegnung, kein Schicksal, das sich anbahnte. Es begann in einem Raum, der nach verschüttetem Bier roch, mit Stimmen, die lauter waren als nötig. Ich erinnere mich an flackerndes Licht, Musik aus einem billigen Lautsprecher – und an sie. Sie bewegte sich mitten hindurch, als ginge all das Geräusch nicht durch sie hindurch, sondern um sie herum.
Sie lachte, trank, sprach mit einem Mann, der seine Hand viel zu tief auf ihrer Hüfte liegen ließ. Ich stand am Rand, sah nur zu, und hätte schwören können, dass es wieder einer dieser Abende würde: beobachten, warten, innerlich längst ausgestiegen. Doch dann drehte sie sich, sah mich – und etwas kippte.
Sie kam nicht vorsichtig. Kein zögerndes Lächeln, keine Frage nach meinem Namen. Sie stand plötzlich vor mir, griff nach meiner Hand, als hätte sie gewusst, dass sie genau dort hingehört. Ein paar Worte fielen. Vielleicht waren es Scherze, vielleicht bedeuteten sie nichts. Ich weiß nur noch, dass ich ihre Hand festhielt, als wir den Raum verließen.
Das Zimmer empfing uns schweigend. Die Tür fiel ins Schloss, und die Welt blieb draußen. Wie selbstverständlich zog sie ihr Shirt aus, als wäre das nie eine Frage gewesen. Keine Geschichte, kein Umweg, kein Zaudern. Nur Körper, Haut, Schweiß, Atem, der lauter wurde. Zwei Körper, die keine Worte suchten.
Es war roh, ungezähmt, beinahe trotzig. Und es war echt. Vielleicht echter als alles Bisherige. Keine Umwege, keine Versprechen, kein Rückzug. Es geschah einfach – und genau darin lag die Wahrheit.
Als wir später nebeneinander lagen, lachte sie kurz. Scheinbar ohne Grund, rau und hell zugleich, fast wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Mein Herz schlug heftig, schwer, lebendig. Als hätte es plötzlich einen neuen Rhythmus gefunden.
Draußen spielte die Musik weiter. Drinnen war es still. Nur unser Atem, der sich allmählich beruhigte. Kein Anfang, kein Ende. Nur ein Moment, der blieb.