Wenn Erinnerung lebendiger ist als das Jetzt
Es gibt Momente, in denen Freude nicht mehr geschieht, sondern erinnert werden muss. Man weiß noch, dass man lachte. Dass Berührung leicht war. Dass Besuche bei Familie, Freunden, Menschen, bedeutungsvoll und schön waren. Man weiß es, aber man spürt es nicht.
Etwas hat sich verschoben. Nicht radikal, nicht dramatisch. Sondern leise. Wie eine Glasscheibe zwischen einem selbst und dem, was war. Man geht noch hin. Man spricht noch. Man tut, was man immer tat. Doch das, was zurückkommt, ist gedämpft. Als hätte jemand den Klang entfernt aus der Musik. Wenn Freude nur noch als Gedanke existiert, nicht mehr als Gefühl. Wird sie dann zur Lüge, oder ist sie ein Echo dessen, was war?
Es ist schwer, darüber zu sprechen. Denn alles ist doch noch da: das Lächeln, die Begegnung, die Bewegung. Nur das Innere reagiert nicht mehr wie früher. Als wäre etwas verhärtet, nicht sichtbar, aber spürbar. Und manchmal fragt man sich, was man falsch macht. Ob man etwas versäumt hat, sich zu sehr entfernt hat von dem, was lebendig macht. Denn die Wärme ist da, theoretisch. Aber man friert.
Doch vielleicht ist es kein Versäumnis, sondern eine Phase. Eine Zeit der Reibung zwischen Nähe und Taubheit. Eine Zeit, in der nicht die Liebe fehlt, sondern der Zugang zu ihr. Und vielleicht ist es genau dieser Zwiespalt, der am meisten über uns sagt: Dass wir uns nach Empfindung sehnen, selbst dann, wenn sie ausbleibt.