Wenn der Körper stillsteht, aber das Denken nicht schweigt
Es gibt Tage, an denen geschieht scheinbar nichts. Kein Aufbruch, kein Rückfall, kein Triumph. Nur ein schwerer Kopf, ein ruhender Körper, ein Bewusstsein, das langsam driftet. Und doch sind es oft gerade diese unscheinbaren Stunden, in denen sich unser inneres Gefüge verschiebt. Nicht sichtbar, aber spürbar.
Wir sprechen so leichtfertig von Klarheit, Fokus, Veränderung. Doch Transformation ist selten ein Moment. Sie ist ein Zwischenzustand. Ein leiser Druck. Eine Müdigkeit, die nicht Schwäche ist, sondern Reibung. Vielleicht entsteht Kraft nicht, wenn wir sie wollen, sondern wenn wir aufhören, sie zu erzwingen. Wenn wir bereit sind, auch das Leere auszuhalten. Das Ungeordnete. Das noch nicht Entschiedene.
Wir wollen Wirkung spüren. Fortschritt. Bewegung. Doch Entwicklung ist oft kein Ziel, sondern ein Gelände. Kein Sprint, sondern ein stilles Warten. Wie ein Fluss, der seinen Lauf nicht kennt, aber dennoch fließt. Und manchmal ist es das eigene System, das neu gestartet werden muss. Nicht durch einen Willensakt, sondern durch Geduld. Eine tiefe, atmende Geduld, die dem Körper erlaubt, sich zu sortieren, während der Geist schweigt.
Diese Tage, die sich ziehen wie Watte im Kopf, sind keine verlorenen Tage. Sie sind das Ein- und Ausatmen vor dem nächsten Schritt. Der Raum, in dem sich neue Wege leise formen – unterhalb der Schwelle des Sichtbaren.
Vielleicht ist Müdigkeit kein Rückschritt, sondern eine andere Form von Energie. Eine, die nicht nach außen drängt, sondern nach innen wirkt. Die uns zwingt, nicht zu handeln, sondern zu horchen.
Und vielleicht ist gerade in diesem stillen Horchen der Schlüssel. Nicht zur Leistung, sondern zur Erkenntnis. Denn was sich in diesen Stunden regt, wächst nicht im Licht der Aufmerksamkeit, sondern in der Dämmerung zwischen den Gedanken.