Es begann mit einem Gerücht.
Man sagte ihm, die Grapefruit sei gefährlich. Ein Mysterium. Eine Diva unter den Zitrusfrüchten. Eine launische Zauberin mit ungezähmter Kraft. Wer sie unbedacht verzehre, spiele mit dem Schicksal.
Er hörte das. Und grinste.
Genau deshalb wollte er sie. Denn heute war er in der Laune, das Schicksal herauszufordern.
So verließ er sein gemütliches Chaos, trat hinaus in die kühle, vibrierende Luft der Stadt, als würde ihn ein stiller Ruf begleiten. Mit klarem Ziel marschierte er los. Vorbei an trägen Passanten, Frühstückscroissants und Alltagsgewusel, direkt zur Auslage, in der sie lag.
Rund. Makellos. Gefährlich.
Die Grapefruit. Ein Versprechen in Zitrusform. Schwer lag sie in seiner Hand, rosa im Fleisch, umhüllt von goldener Aura.
Schnellen Schrittes kehrte er heim. Zuhause hielt er die Spannung kaum noch aus. Melone, Blaubeeren, Kiwi und Banane – sie alle verbeugten sich vor der Königin. Ein Knopfdruck, und er spürte, wie die Grapefruit ihren Zauber wirkte. Wie ein Orchester aus Klingen und Saft.
Und dann – der erste Schluck.
BOOM.
Es war kein Geschmack. Es war ein Beben. Eine bittersüße Offenbarung. Mutig wie das Leben selbst. Und doch... anders.
Was dann geschah, lässt sich schwer beschreiben. Er fühlte sich elektrisiert, als hätte jemand die Welt auf Technicolor gestellt. Die Müdigkeit wich. Der Himmel grinste. Und irgendwo in seinem Inneren begann ein Lied zu spielen, das er längst vergessen hatte.
Er ging raus. Einfach so. Zum zweiten Mal heute.
Und er spürte: Etwas war geschehen. War es die Grapefruit? War er es selbst? Am Abend stand er wieder in der Küche, blickte in das leere Glas und lachte leise.
„Vielleicht war alles nur Einbildung.“
Aber die Grapefruit hatte gewirkt.
Julia Engelmann - Grapefruit (Dropsteer Hardstyle Remix)