Ein Traum von Identität, Kontrolle und dem Mut, loszulassen.
Die Luft war warm, als er die schmale Wohnung betrat. Drinnen saßen sie schon am Tisch. Manche kannte er gut, bei anderen fiel ihm der Name nicht mehr ein. Es wurde gelacht, getrunken, diskutiert. Die Stimmen flossen ineinander wie ein Hintergrundrauschen aus Nähe und Krach.
Auf einmal lag da dieses Gerät auf dem Tisch. Unscheinbar, silbern, nicht größer als eine Fernbedienung. Jemand drückte einen Knopf, und ein zweiter Mensch trat neben ihn. Identisch, bis auf einen seltsam leeren Blick. Es war eine Kopie. Seine Kopie. Anfangs waren alle begeistert. Sie lachten, probierten es aus, vervielfältigten sich. Zwei Geräte machten bald die Runde. Es wurde eng im Raum.
Doch etwas daran stimmte nicht. Irgendetwas fehlte. Die Kopien sprachen, bewegten sich, doch sie wirkten falsch. Als ob sie nur versuchten, menschlich zu wirken. Er konnte es nicht erklären. Aber er spürte es deutlich als die Stimmung kippte.
Er wollte sie alle loswerden. Und er tat es. Wie genau, wusste er hinterher nicht mehr. Nur, dass sie verschwanden. Auch die Geräte mussten weg. Die anderen waren dagegen, redeten von Möglichkeiten, wollten sie behalten. Doch für ihn war es klar. Die Geräte mussten zerstört werden. Er zögerte nicht lange.
Die Wohnung war seltsam gebaut. Ein langer, schmaler Flur zog sich durch den Raum, auf einer Seite zwei kleine Zimmer, am Ende ein schmales Bad. Alles wirkte kompakt. Gedrängt, als hätte jemand Raum gespart, wo keiner war. Er stand gerade auf, da erzählte ein schlaksiger Typ mit schiefem Lächeln, von dem günstigen Gras, das er sich eben besorgt hatte. Ein kleiner Mann hatte es verkauft, dunkle Haut, auffallend ruhig. Die anderen lauschten interessiert, als ginge es um etwas Wichtiges. Er nicht. Es ließ ihn kalt.
Dann war da diese Frau. Sie folgte ihm zur Toilette, als hätte sie etwas Dringendes zu besprechen. Er kannte sie. Zumindest glaubte er das. Doch als er sich umdrehte, standen plötzlich diese Menschen mit im Raum. Zu viele. Es war eng. Ihre Gesichter waren falsch. Wieder diese Kopien. Diesmal war da Wut in ihm. Klare Wut. Etwas in ihm sagte: Jetzt reicht es.
Im ersten Zimmer stand das Fenster weit offen. Der Wind hatte sich inzwischen zu einem Sturm gesteigert. Niemand hielt sich dort noch auf. Nur er trat wieder hinein. Der Druck war heftig, die Luft wirbelte durch den Raum wie Wasser in einer gebrochenen Leitung. Er stemmte sich dagegen, tastete sich voran, bis er das Fenster erreichte. Mit beiden Händen zog er es zu. Der Wind verstummte. Und alles wurde still.