Wo Feuer atmet und Nebel träumt
Manchmal steht die Wahl nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen zwei Übeln. Eines davon kennt man in- und auswendig – mit all seinen Launen, Stärken und Abstürzen. Das andere fühlt sich an wie ein alter Bekannter, der manchmal die Hand reicht und manchmal wegstößt. Beide haben ihre Fallen. Beide tragen das Versprechen, den Tag leichter zu machen. Und beide können dieses Versprechen jederzeit brechen.
Die Entscheidung fällt oft dort, wo Hoffnung und Misstrauen denselben Tisch teilen. Wenn das eine Mittel die Gefühle anheizt, sie größer, lauter, greifbarer macht – in guten wie in schlechten Stunden. Und wenn das andere manchmal das Gegenteil tut: alles stilllegt, jede Spitze abschleift, bis nicht einmal mehr ein Funke übrig bleibt. Das eine ist ein Feuer, das wärmt oder verbrennt. Das andere ist ein Nebel, der entweder sanft umhüllt oder jede Richtung verschluckt.
Es gibt Tage, an denen man sicher ist, zu wissen, welche Wahl die bessere ist. Tage, an denen man glaubt, das Spiel durchschaut zu haben. Doch das „nicht immer“ wiegt schwer. Es ist das leise Flackern der Unsicherheit, das jedes Vertrauen untergräbt. Denn die falsche Wirkung im falschen Moment kann mehr zerstören als das vermeintlich Schlimmere jemals könnte.
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, sich für eines zu entscheiden. Vielleicht geht es darum, so lange Abstand zu halten, bis keines mehr wie eine Wahl wirkt, sondern beide wie eine Erinnerung. Aber bis dahin bleibt die Frage... Und die Antwort hängt davon ab, welcher Preis gerade leichter zu tragen ist.